In Urwegen
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sie in ihrem Dienst schützt und vor den Angriffen der Feinde bewahrt. Aber es kam anders.
Sie wurden gefangen genommen, geschlagen und ins Gefängnis abgeführt. Nun saßen sie da
als Verbrecher mit großen Schmerzen und mit ihren Füßen in einem Holzbock eingeklemmt.
Über diese dunklen Stunden im Gefängnis berichtet unser Predigtwort gar nichts. Wir können
nur mutmaßen, welche Fragen die beiden dort quälten: Herr, warum lässt du das zu? Ist das
nun unser Lohn dafür, dass wir dir treu waren, dir unser Leben anvertrauten, dir gehorchten
und herkamen nach Philippi um das Evangelium zu predigen? Warum lässt du die Feinde
siegen und bestrafst uns?
Ihr Lieben, wie oft geht es uns auch so? Wie oft sind gerade auch wir Christen ein Spielball
finsterer Mächte? Wie oft scheinen auch uns die Wege Gottes total unverständlich und
vermitteln uns den Eindruck: Gott hat mich im Stich gelassen! Er hat seine schützende Hand
von mir abgezogen. Es ist oft so, als ob uns der Böse an die Gurgel will, und Gott lässt es zu.
Ja, Gott übergibt Paulus und Silas in die Hände der Widerstreiter. Doch all das war für Paulus
nicht das Schlimmste, sondern die Frage, die ihn am meisten quälte war: Hat mich denn Gott
verworfen, dass ich nicht mehr sein Knecht sein soll? Kann er mich in seinem Dienst gar
nicht mehr gebrauchen? Wirft er mich tatsächlich weg? Das ist die größte Anfechtung eines
Christen: hat mich Gott verworfen? Muss ich nun ohne ihn leben in dieser Welt? Ja, wie kann
ich überhaupt ohne die Fürsorge meines himmlischen Vaters in dieser Welt leben? Der ganze
Glaube, die ganze Heilsgewissheit kommt bei solchen Fragen ins wanken.
Liebe Brüder und Schwestern, hier können wir uns in Paulus und Silas wiederfinden. Ja, jetzt
ist der Augeblick gekommen, wo wir unsere Zweifel zugeben können. Steh zu ihnen! Nenne
deine Angst, deinen Kummer beim Namen. Sage Gott Deine Sorgen. Sage ihm all das, was
dich aufzufressen droht. In Psalm 34 heißt es: ,,Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen
Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben." (Ps. 34,19) Sage es ihm!
Schütte Dein Herz vor ihm aus. Jetzt ist er in seinem Geiste mitten unter uns. Jetzt will er dir
vergeben. Jetzt will er unsere Gemeinschaft erneuern. Ich komme nun zum zweiten Teil:
2. Die Lobgesänge
In Vers 25 heißt es heute: ,,Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott.
Und die Gefangenen hörten sie." Und im Buch Hiob im 35. Kap., Vers 10 heißt es: ,,Gott,
mein Schöpfer, gibt Lobgesänge in der Nacht." Plötzlich war bei den Beiden die
Verzweiflung und die Angst weg. Auf einmal war alles anders. Die dunkle Gefängniszelle
wurde zum Tempel Gottes, von dem die Lobgesänge aufstiegen. So laut waren diese
Lobgesänge, dass es die anderen Gefangenen hörten. Was hatte sich denn verändert? Die
Folterschmerzen der beiden waren noch genau so groß wie vorher und ihre Füße waren immer
noch eingeklemmt im Block. Was war geschehen? Die Antwort kann nur so lauten: In ihrem
Inneren wurde es anders. Die Verzweiflung schwindet und Lobgesänge kommen über unsere
Lippen. Unser Chor hat es heute so wunderbar gesungen:
Wenn Friede mit Gott meine Seele durchdringt,
Wenn Satan mir nachstellt und bange mir macht,
ob Stürme auch drohen von fern;
so leuchtet dies Wort mir als Stern:
mein Herze im Glauben doch allezeit singt,
Mein Jesus hat alles für mich schon vollbracht;
mir ist wohl, mir ist wohl in dem Herrn!
Ich bin rein durch das Blut meines Herrn!
Und der Apostel Paulus selbst schreibt im Römerbrief im 8. Kapitel:
,,Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder
Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch
Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges,
weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes,
die in Christus Jesus ist, unserem Herrn." (Röm. 8,35.38-39)
Liebe Brüder und Schwestern, das ist Heilsgewissheit! Gott führt mich! Gott hält mich. Ich
darf ihm blind vertrauen und ihm mich völlig ausliefern mit allem, was ich bin und habe.
Lobgesänge in der Nacht sind nur möglich, wenn wir auf Jesus sehen. Aber der Teufel