Portraits
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Richter Ihm
/
Simon Richter
Darmstadt
Ihrem Vorschlag entsprechend für das Urweger Nachrichtenblatt etwas zu berichten, möchte
ich diesmal über ,,eine Gebetserhörung vom Weihnachtsabend im Jahre 1947" berichten,
zumal wir uns jetzt auch vor dem Weihnachtsfest befinden. Meine liebe Frau, die Mutter
meiner Kinder, wurde auch im Jahre 1945 nach Russland zur Zwangsarbeit deportiert, wo sie
leider im Jahre 1947 gestorben ist. Doch sie hatte kurz vor ihrem Tode erfahren, dass ich
heimkomme und das hat ihr das Sterben gemildert. Ich selber bin auch im Jahre 1943 zur
,,Waffen SS" nach dem geliebten Deutschland gezogen und wurde im Kriegseinsatz 3 mal im
Nahkampf verwundet. Nachdem aber Deutschland im Jahre 1945 den Krieg verloren hatte,
geriet ich in amerikanische Gefangenschaft. Nach meiner Entlassung aus der amerikanischen
Gefangenschaft, habe ich dann in Bayern in der Nähe von Bad Aibling als Dienstknecht
gearbeitet, denn das zum Kommunismus übergewechselte Rumänien hat uns die Heimkehr in
unsere alte Heimat verweigert. Bekanntlich hat Siebenbürgen bis Ende des ersten Weltkrieges
zu Österreich-Ungarn gehört, danach wurde es durch eine Volksabstimmung, bei der in der
Mehrzahl ja Rumänen und Zigeuner waren, Rumänien zugeteilt. Und nun hofften die Ungarn,
dass es auch nach dem zweiten Weltkrieg zu einer Volksabstimmung kommen würde und in
der Hoffnung, dass wir, die Deutschen aus Siebenbürgen, für den Anschluss Siebenbürgens
an Ungarn stimmen würden, wurden sie uns behilflich, dass wir nach Siebenbürgen reisen
konnten. Da nun meine zwei Kinder ganz elternlos waren, hat meine alte Mutter mit meinen
zwei Kindern in der Weihnachtszeit immer gebetet, das Christkind möge ihnen, als
Weihnachtsgeschenk Mutter oder Vater zu ihrer Betreuung nach Hause bringen. Und ich bin
mit einem ungarischen Transport nach Siebenbürgen gereist und genau am Weihnachtsabend
des Jahres 1947 gleichsam als Erhörung des Gebetes meiner Mutter und meiner Kinder, zu
Hause angekommen.
Sehr geehrter Herr Professor Zeck! Ich danke Ihnen von Herzen für die zwei wunderschönen
Exemplare vom ,,Urweger Nachrichtenblatt", welche Sie mir gesandt haben, worüber ich
mich sehr herzlich gefreut habe. Eines dieser Exemplare habe ich meinem Sohn gegeben, der
auch hier in Darmstadt ungefähr 2 km weit von mir ich wohne bei meiner Tochter Rosina
entfernt auf seinem eigenen Hof mit seiner Familie und seinen Schwiegereltern wohnt, und
sie haben sich alle über das ,,Urweger Nachrichtenblatt" sehr gefreut und danken Ihnen
herzlich dafür. Früher, als ich noch kräftiger war, bin ich zu ihnen gegangen, doch in der
letzten Zeit kann ich täglich nur eine kurze Strecke vor unserer Wohnung herumgehen, um
mich in meinem hohen Alter munter zu erhalten. Wir wohnen hier am Rande von Darmstadt,
wo es keine Hochhäuser gibt, nur gewöhnliche Häuser, wie auf dem Dorf. Dazu ist auch
gegenüber von unserer Wohnung eine Baumallee wo Kinder herumspielen, was mich sehr
erfreut. Ich bin in der letzten Zeit so schwerhörig geworden, dass ich mich mit niemandem
mehr besprechen und nur noch ein zurückgezogenes Leben führen kann. Doch ich war immer
ein anspruchloser und bescheidener Mann und bin es in meinem hohen Alter umso mehr.
Es grüßt Sie, lieber Professor Zeck und alle Ihre Lieben
hochachtungsvoll
der alte Richter Sim.