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Betrachtungen

die größte Weltwirtschaftskrise eingeleitet, viele Banken mussten schließen. Von dieser Krise
wurden auch wir in Rumänien nicht verschont. Die rumänische Regierung beschloss 1931 das
Entschuldungsgesetz, wonach alle Schulden und Spareinlagen auf 1/3 gesenkt wurden. Die
Banken vergaben danach keine Kredite. Die Spareinlagen wurden für 2 Jahre eingefroren.
Investitionen und Aufträge für Industrie und Handel blieben aus. Die Werkstätten bildeten
Lehrlinge aus, die sie als Gesellen nicht mehr übernehmen konnten.
Kaum hatten sich die Urweger nach dem Streit um den Saalbau versöhnt, bahnte sich ein
neuer an. Um die Erneuerungsbewegung, die den Sachsen eine neue politische Orientierung
geben sollte, entbrannte ein neuer Streit.
Viele Lehrer, sogar auch die Pfarrer, ließen sich dafür begeistern, da auch die kürzlich in
Deutschland an die Macht gekommene NSDAP in diesem Streit mitmischte. Nun kam es auch
innerhalb dieser Bewegung 1935 zu einer Spaltung in einen gemäßigten (Fabritius) und in
einen radikalen Flügel (Bonfert-Gust).
Zu den Fabritianern, die innerhalb der Kirche die Erneuerung vollziehen wollten, zählten
meist die reicheren Bürger, zu den anderen die ärmeren Bürger. Dieser Bruderstreit tobte in
den Städten viel intensiver als in den Dörfern. In Urwegen weniger als in Kelling oder
Petersdorf.
Die evangelische Landeskirche sah sich gezwungen durchzugreifen. Die Lehrer und Pfarrer
mussten eine Verzichtserklärung unterschreiben, sich aus dieser Bewegung fernzuhalten. Fünf
Pfarrer, zu denen der Stadtpfarrer von Kronstadt (W.Staedel), der ehemalige Pfarrer von
Urwegen (V.Möckesch) und etwa 30 Lehrer gehörten, verweigerten ihre Unterschrift.
Daraufhin wurden sie 1937 fristlos und ohne soziale Absicherung entlassen und mussten aus
ihren Wohnungen, die der Kirche gehörten, ausziehen.
Der Bruderstreit der Sachsen störte die Außenpolitik des Deutschen Reiches. Fabritius und
Bonfert wurden 1939 nach Berlin gerufen, abgesetzt und ihre Parteien wurden vereinigt.
Andreas Schmidt wurde zum Volksgruppenführer ernannt.
Die entlassenen Lehrer und Pfarrer wurden wieder in ihre Dienste aufgenommen. In den
Städten und Dörfern waren alle froh, dass der Parteienstreit nun endlich ein Ende nahm.
In Urwegen vereinigten sich daraufhin am 1.Mai 1939 die beiden Musikkapellen.
Die Volksgruppenführung erlaubte sich den Landesbischof F.Müller abzusetzen und den
Pfarrer W.Staedel zum Bischof zu ernennen.
Wohin das alles geführt hat, mussten wir alle leidlich erfahren. Es wäre ungerecht und würde
nicht der Wahrheit entsprechen, alle diese Verfechter der Erneuerungsbewegung einfach als
Abtrünnige abzustempeln. Vielmehr waren es Idealisten, die nicht nur nationale Gefühle
erwecken wollten, sondern ebenso versprachen, eine sozialgerechte Zukunft zu schaffen.
Der rumänische Schuldirektor Romulus Nicula weckte national-patriotische Gefühle bei den
Rumänen, die oft zu blindem Hass auf uns Sachsen führte. Der italienische Faschismus unter
Mussolini diente ihnen als Vorbild. Eine Gruppe jugendlicher Rumänen, angeführt vom
Lehrer Lavu, marschierten durch unsere Gemeinde und riefen aus voller Kehle: ,,Hinaus mit
euch Sachsen nach Flandern, Rumänien ist unser Land. Ihr esset hier unser rumänisches
Brot." Damit will ich zeigen, wie vergiftet zu der Zeit die Seelen unserer beider Völker
waren.
Nach all meinen Schilderungen soll aber nicht der Eindruck entstehen, dass wir Sachsen und
Rumänen in einem Dauerstreit gelebt hätten. Insgesamt gab es ein friedliches
Zusammenleben, von diesen Auswüchsen abgesehen. Dieses friedliche Zusammenleben von
verschiedenen Nationen und Religionen in Siebenbürgen könnte als Beispiel für andere
Länder dienen.
Es gab auch wirtschaftliche Fortschritte, zu dem der ,,Landwirtschaftliche Verein" viel
beigetragen hat. Nachdem 1935 der elektrische Strom eingeführt wurde, konnten nun auch
elektrische Maschinen und Geräte angeschafft werden. Ende der dreißiger Jahre kam
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