Betrachtungen
Bewegung in die Märkte. Agrarprodukte und Wein wurden gesucht, dementsprechend stiegen
die Preise und auch die Inflation.
Die rumänische Regierung verabschiedete 1938 ein Gesetz, wonach alle Jugendlichen nach
dem 18.Lebensjahr eine vormilitärische Ausbildung absolvieren mussten. Ein Lehrer als
Reserveoffizier wurde als Ausbilder ernannt. Jeden Sonntag von 8.00-12.00 Uhr mussten alle
Jugendlichen aus Urwegen, Rätsch und Crpini zu Fuß oder mit Pferdewagen, zuerst 2 Jahre
lang nach Crpini und nachher nach Rätsch, zur Ausbildung erscheinen.
Die deutsche Volksgruppe mit ihren neuen Organisationen D.M. (deutsche Mannschaft),
E.S.(Einsatzstaffel) und D.J. (deutsche Jugend) wollten auch eine Ausbildung, die in die
gleiche Richtung zielte. All dies deutete auf den danach schrecklichen und unsinnigen Krieg,
der so viel Kummer und Leid brachte.
Urwegen - Deutschland und Retour?
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Egon Buortmes
Traunreut
Als ich vor ein paar Jahren mit meiner Familie einen Sommerurlaub in Urwegen verbrachte,
nahm mich mein damals neunjähriger Sohn an der Hand und sagte zu mir:" Komm Papa wir
gehen die Straße runter, vorbei an deinem Elternhaus, und du erzählst mir, wie es früher war
und was ihr als Kinder so gemacht habt". So nahm ich ihn an der Hand und wir gingen auf
dem Gehsteig vorbei an den vertrauten Häusern. Auch wenn viele Häuser heute ihr
Aussehen verändert haben und andere Menschen drin wohnen als früher, so strahlen sie doch
Geborgenheit und Vertrautheit aus. Hinter den großen Torbogen können sich die Leute sicher
fühlen. Manchmal möchte man meinen, jeden Augenblick geht die Türe auf und der eine oder
andere Bekannte oder Nachbar kommt heraus. Aber die sind längst alle weggezogen...
Und so erzählte ich meinem Sohn von meiner Kindheit, von den warmen Sommern, vom
Baden im Bach und im Fischteich, vom Toben auf den Wiesen und Feldern. Von den kalten,
strengen Wintern mit viel Schnee, von den Vorfreuden auf das Weihnachtsfest, wenn das
ganze Haus geputzt wurde, ein Schwein geschlachtet, und im Backofen das eigene
Hausbrot gebacken wurde. Was für ein großer Unterschied zu seiner Kindheit heutzutage...
Wir hatten kein Video oder Fernsehen, und wenn, dann nur ein Programm in schwarz-weiß,
keinen Game-Boy oder Play-Station, und Handys gab es damals auch noch nicht. Und doch
waren wir glücklich und ausgeglichen, den ganzen Tag unterwegs. Nach der Schule
Mittagessen, Hausaufgaben und raus zum Spielen. Wir mussten nicht genau Bescheid geben
mit wem und wo wir spielten. Zur Abendglocke mussten wir aber daheim sein, was sich aber
im Sommer oft verzögerte. Unsere Eltern wussten uns gut aufgehoben. Auch wenn die
hygienischen Verhältnisse nicht so waren wie hier und heute, so hatten wir doch keine
Allergien ( oder gerade deshalb ).
Ich erzählte ihm auch von meiner Jugendzeit, von dem Brauchtum und den Festen in der
Gemeinde.
Da hielt mein Sohn inne und fragte mich:
,,Wenn es so schön war damals in Urwegen, warum seid ihr dann nach Deutschland gezogen
und habt hier alles zurückgelassen?"
Ja, warum sind wir nach Deutschland gezogen und haben Haus und Hof, Hab und Gut,
Verwandte, Nachbarn und Freunde hier zurückgelassen? War es nicht der sehnliche Wunsch
nach einem Leben in Freiheit und Wohlstand, als Deutsche unter Deutschen? Obwohl wir in
Rumänien das Privileg hatten, eine deutsche Schule zu besuchen, und die evangelische
Kirchengemeinde, die uns Sachsen ja zusammenhielt, wurde auch geduldet.
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