Betrachtungen
Was man aber machen kann, ist, den nachfolgenden Generationen, also unseren Kindern und
Enkelkindern Urwegen so zu zeigen wie es jetzt ist. Denn dann werden sie die Geschichte
unseres Volkes und die Erzählungen, die sie von ihren Eltern und Großeltern aus der alten
Heimat gehört haben, besser verstehen.
In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern des Nachrichtenblattes eine gute Zeit und vielleicht
ein freudiges Wiedersehen in Urwegen oder in Deutschland.
Viermal Urwegen
/
Richard-Waldemar Mildt
Köln
Den ersten Versuch, ein Buch über Urwegen zu erstellen, hatte Pfarrer Ludwig Klaster sen.
unternommen. Aus Krankheitsgründen war er aber über den viel versprechenden Beginn nicht
hinausgekommen. Mehr Erfolg hatte Simon Richter, dem es gelungen ist, ein Büchlein über
seine Heimatgemeinde zu veröffentlichen. Es folgten die Heimatbücher von Richard Mildt
und Thomas Lutsch. Nun ist auch ein erstes Buch in rumänischer Sprache erschienen:
Gârbova von Gheorghe Opri. Ich hatte Gelegenheit, darin zu blättern und muss feststellen,
dass es sich bei diesem Buch um eine sehr fleißige Sammelarbeit handelt. Opri war viele
Jahre als Buchhalter beim Volksrat (Gemeindeamt) angestellt und hatte so Gelegenheit,
Einsicht in verschiedene Akten zu nehmen, die für Außenstehende tabu waren, weil es sich
um ,,acte secrete" (geheime Akten) handelte, die unter Verschluss gehalten wurden.
So bin ich denn auch erstaunt über die vielen Tabellen, die im Buch aufgelistet werden und,
was Urwegen betrifft, wohl auch der Realität entsprechen dürften. Was aber die erwähnten
,,historischen Dokumente" betrifft, hege ich bei einigen meine Zweifel.
Da wird u. a. behauptet, dass die Urweger Rumänen von den sächsischen Einwanderern aus
ihrem Dorf vertrieben wurden. Die Sachsen hätten sich in die ,,aus alten Zeiten" (din vremuri
vechi) existierenden rumänischen Ortschaften hineingesetzt, nachdem sie die Eingeborenen
(btinaii) daraus vertrieben hätten. Woher er dieses ,,Dokument" hat, verschweigt Opri.
Wahr ist wohl, das bei der Einwanderung der Sachsen in Siebenbürgen Rumänen schon gelebt
hatten. Das bezeugen mehrere diesbezügliche Dokumente. Sogar im Andreanischen Freibrief
aus dem Jahre 1224 werden sie im Artikel 11 erwähnt, wo es heißt, dass ,, der Wald der
Walachen und Petschenegen samt den Gewässern zum gemeinschaftlichen Gebrauche mit den
Walachen und Petschenegen" den Sachsen übertragen wird. Aber es gibt auch Dokumente,
die besagen, dass die Rumänen erst zu Beginn des XIII. Jahrhunderts ,,aus dem Süden nach
Siebenbürgen gekommen sind" (Siehe Lexikon der Siebenbürger Sachsen, Seite 419).
Wie dem auch immer sei lassen wir sich die Historiker darüber streiten. Aber was Urwegen
betrifft, wird in keinem mir bekannten Dokument erwähnt, dass es bei der Einwanderung der
Sachsen ein rumänisches Dorf gewesen ist. Erwiesen ist hingegen, dass in Urwegen ehemals
Szekler gewohnt haben. Archäologische Grabungen in der Bergkirche haben dies bestätigt.
Die Szekler sollen kurz vor Inbesitznahme der Ortschaft durch die Sachsen in die Haromszek
abgewandert sein. In jener Zeit haben also keine Rumänen in Urwegen gewohnt!
Der Ort hatte anfangs den slawischen Namen Wrbow (1291), dann Orbo ( 1309) und Orbow
(330) übernommen. Erst 1488 taucht in Chroniken der Ortsname Vrbogen auf,aber schon
1500 heißt der Ort Urbogen, woraus durch verschiedene Schreibweisen schließlich Urwegen
entstanden ist. Hervorzuheben ist die Tatsache, dass der rumänische Name ,,Gerbova" erst
1733 auftaucht. Bezeichnend ist ferner, dass ,,Gârbova" erst 1780 eine (hölzerne) Kirche
besaß. Demnach müssen die Rumänen sich in Urwegen angesiedelt haben, nachdem der Ort
als sächsische Siedlung schon lange bestanden hatte.
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